Die Insel Limnos liegt in der Nord-Ägäis zentral zwischen der Halbinsel Athos im Nordwesten und dem kleinasiatischen Festland im Osten. Die nächstgelegenen Inseln sind Samothraki 42 Kilometer nördlich, die türkische Insel Gökçeada 22 Kilometer nordöstlich und Agios Efstratios 31 Kilometer südlich.

Mit einer Fläche von 476,288 Quadratkilometern ist Limnos die neuntgrößte Insel Griechenlands. Sie erreicht in West-Ost Richtung ihre maximale Ausdehnung von etwa 35 km. Die Nord-Süd Ausdehnung im Osten beträgt vom Kap Plaka dem nordöstlichsten Punkt der Insel zum Kap Agia Irini dem südöstlichsten 29 km. Im Westen liegt sie bei 18 km vom Kap Mourtzeflos im Nordwesten zum Kap Tigani  im Südwesten. Die schmalste Stelle von etwa 4 Kilometer liegt zwischen dem tief in die Insel einschneidende Golf von Moudros im Süden und dem Golf von Pournia im Norden.

Durch drei Buchten weist die Insel eine stark strukturierte Küstenlinie auf, mit dem westlichen Hauptteil und zwei Halbinseln im Osten und Süden. Die Oberfläche ist sanft überwiegend flach und ohne deutliche Ausprägung des relativen Reliefs. Die wenigen hügeligen Gebiete weisen abhängig von der Geologie und der nachfolgenden Erosion entweder weich gerundete Formen und seltener steile Klippen auf. Limnos erreicht mit der Vigla im Nordwesten 430 Meter, im Südosten 250 Meter und mit dem Skopos auf der Halbinsel Fakos 319 Meter Höhe. In den ausgedehnten Küstenmarschen der Osthalbinsel liegen die beiden Brackwasserseen Chortarolimni und Asprolimni sowie die etwa 6,7 km² große Salzlagune Alyki, die größte auf einer griechischen Insel.

Klima

Die geringe Niederschlagsmenge in Verbindung mit extremen und häufigen Winden aus Nord bis Nordost geben Limnos ein unverwechselbares trockenes Mesoklima. Das Klima von Limnos ist subhumid bis fast semiarid. Der durchschnittliche Jahresniederschlag beträgt etwa 500 Millimeter, mit einem Maximum im Dezember und Januar. In Bezug auf die Windexposition nimmt die Insel eine Sonderstellung ein. Limnos ist in der Verlängerung der Dardanellen gelegen, die ähnlich einem schmalen Windkanal auf die Insel ausgerichtet sind. Im Zeitraum von 1958 bis 2010 lag beim Flughafen Limnos die absolute Höchsttemperatur bei 39,4 °C die Tiefsttemperatur bei -6,0 °C.

Geschichte

Die bisher früheste menschliche Präsenz auf einer Ägäisinsel konnte im Südosten von Limnos nachgewiesen werden. Sie datiert zum Ende der letzten Kaltzeit vor etwa 15.000 Jahren. Wegen der großen Anzahl von Mikrolithen wird der Fundort Ouriakos als Lagerplatz von Jäger und Sammlergruppen interpretiert.

Aufgrund seiner Lage spielte Limnos seit der Frühbronzezeit (ca. 3200–2000 v. Chr.) eine bedeutende Rolle im Ägäishandel. Die Insel verfügte über ein bemerkenswertes Siedlungsnetz, bevorzugt auf Halbinseln oder niedrigen Hügeln in Küstennähe mit fruchtbarem Umland und sicheren Ankerplätzen. Neben den beiden großen Siedlungszentren Myrina im Westen und Poliochni im Osten existierten mit Ausnahme des Nordwestens an allen Küstenregionen Siedlungen. Besonders dicht war die Besiedelung um den Golf von Moudros. Die heutige Insel Koukonisi war im Gegensatz zu Poliochni durchgehend besiedelt. Vom Inselinneren sind deutlich weniger Siedlungen bekannt.

Eine frühe Erwähnung der Insel findet sich bereits auf Linear-B-Täfelchen aus dem mykenischen Pylos. Dort ist das weibliche Ethnikon ra-mi-ni-ja (Lāmniai) aufgeführt, aus dem hervorgeht, dass man „Sklavinnen aus Lamnos“ unterhielt. Von dem Ethnikon kann auf den mykenischen Namen ra-mo-no (Lāmnos) für die Insel geschlossen werden.

Um 800 v. Chr. wurde Limnos von Griechen erobert, die jedoch nach etwa 100 Jahren von den Tyrsenern wieder vertrieben wurden. Erst nach der Eroberung durch Miltiades (der sich dabei skurrilerweise auf den „lemnischen Frevel“ berief) gegen Ende des 6. Jahrhunderts v. Chr. konnten die Griechen hier endgültig Fuß fassen.

In die Zeit der tyrsenischen Herrschaft wird eine 1885 gefundene Grabstele datiert, deren Inschrift man der nun als lemnisch bezeichneten Sprache zuordnet und die Verwandtschaftsbeziehungen zum Etruskischen aufweist. Dieser Fund belebte die bereits in der Antike aufgenommene Diskussion über die Herkunft der Etrusker neu, deren Wirken man eigentlich auf das Gebiet zwischen der westlichen Apennin-Halbinsel (ausgehend von Etrurien), Sardinien und Sizilien begrenzt.

Limnos gehörte von der Eroberung durch Miltiades an zu Athen. Ab der hellenistischen Epoche teilte die Insel das Schicksal des übrigen Griechenland.

Ab 1657 war ganz Limnos von den Türken erobert.

20. Jahrhundert

Im Verlauf des Ersten Balkankriegs ermöglichte die griechische Besetzung strategisch bedeutender Inseln in der Nordostägäis die Blockade der Dardanellen. Nach Tenedos wurde Limnos zwischen dem 21. und 27. Oktober 1912 durch die griechische Flotte unterstützt von Infanterieeinheiten eingenommen. Die Einnahme von Limnos ermöglichte die Kontrolle der Einfahrt der Dardanellen und der Seewege in der Nordägäis. Zwei Versuche der türkischen Marine diese Blockade zu durchbrechen, scheiterten an der überlegenen griechischen Flotte, angeführt vom Panzerkreuzer Georgios Averoff unter Pavlos Koundouriotis. Der Seeschlacht von Elli vom 16. Dezember 1912 und der Seeschlacht von Limnos vom 18. Januar 1913 folgte eine viermonatige Kontrolle der Dardanelleneinfahrt. Damit war der Seekrieg in der Ägäis praktisch beendet. Gemäß dem Londoner Vertrag von 1913 hatte das Osmanische Reich die Inseln in der östlichen Ägäis an Griechenland abzutreten, unter der Bedingung, dass sie nicht militärisch genutzt werden. Diese Abtretungen wurden nach dem Griechisch-Türkischen Krieg im Friedensvertrag von Lausanne 1923 bestätigt. In diesem Vertrag war die Entmilitarisierung von Lesbos, Chios, Samos und Ikaria ausdrücklich festgeschrieben, die Inseln Limnos und Samothraki blieben hier unerwähnt. Im parallel ausgehandelten Meerengenstatut wurde festgelegt, die griechischen Inseln Limnos und Samothraki sowie die türkischen Inseln Imroz, Bozcaada und die Tavcan-Inseln zu entmilitarisieren. Der 1936 ausgehandelte Vertrag von Montreux regelt die Souveränität über die Meerengen zugunsten der Türkei. Das Abkommen ersetzt den Friedensvertrag von Lausanne, gestattet die Militarisierung der Meerengen ohne die Ägäisinseln zu erwähnen. Nachdem daraufhin die Türkei die Inseln Bozcaada, Gökçeada umgehend remilitarisierte, folgte auch Griechenland ab 1937 mit Remilitarisierungsmaßnahmen auf Limnos. Die Türkei bezweifelte erst 1974 während der Zypernkrise die Rechtmäßigkeit der Militarisierung von Ägäisinseln besonders von Limnos und Samothraki durch Griechenland.

Quelle: Wikipedia